Otto Andreas Köhler
Otto Andreas Köhler

Unser Konzertmeister Dieter Conzelmann ist das einzige heute noch aktive Gründungsmitglied des Kammerorchesters. Er hat sechs Dirigenten erlebt, die das Liebhaberorchester in den vergangenen über 60 Jahren geleitet und geprägt haben: Otto Andreas Köhler (1955-1961), Theo Koning (1961-1963), Prof. Friedemann Köhler (1964-1989), Dr. Bernd Wilms (1990-95 und wieder von 2009 bis 2018), Fritz Sander (1995-2008) und Walther Theisohn (kommissarisch 2008/2009 und ab 2018).

 

Musikdirektor Otto Andreas Köhler gründete das Ensemble 1955 und leitete es bis zu seinem Tod im Jahre 1961. „Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die im kulturellen Leben Zweibrückens so prägend gewirkt haben, wie Musikdirektor Otto Andreas Köhler.“ So stand nach seinem jähen Tod im Pfälzischen Merkur zu lesen, denn der kulturelle Wiederaufbau nach 1945 aus dem Nichts heraus war in erster Linie das Verdienst dieses hochtalentierten Musikers. Noch heute gültige Maßstäbe setzte Köhler in jenen Jahren mit der Aufführung mehrerer großer Vokalwerke, allen voran des Haydn-Oratoriums „Die Schöpfung“ zur festlichen Einweihung der wiederaufgebauten Zweibrücker Festhalle. Um einen musikalischen Höhepunkt besonderer Art dürfte es sich bei der Aufführung von Mozarts Krönungsmesse in Boulogne-sur-Mer gehandelt haben.

 

Theo Koning
Theo Koning

Drei Monate nach dem Tod von O. A. Köhler trat der Leiter des Symphonieorchesters der Saarbergwerke, Theo Koning, die Nachfolge an. Mit dem Kapellmeister des Stadttheaterorchesters Saarbrücken scheint eine eher beschwingte Linie Einzug in das Schaffen des Orchesters gehalten zu haben.

In bester Erinnerung ist bei vielen noch Mozarts Singspiel  „Bastien und Bastienne“. Der Dirigent aus Holland wandte sich aber auch mit nicht weniger als zehn abendfüllenden Mozartkonzerten an das Publikum. Der einstige Leiter des Rundfunkorchesters Hilversum hatte nicht weniger als 30 Veranstaltungen des Zweibrücker Kammerorchesters dirigiert, wozu auch das Benefiz-Konzert vom 23. März 1962 gehört, dessen Erlös für die Angehörigen der 299 Todesopfer des Grubenunglücks von Luisenthal gespendet wurde.

 

Prof. Friedemann Köhler
Prof. Friedemann Köhler

Im Januar 1964 übernahm der Sohn von O. A. Köhler, Prof. Friedemann Köhler, die Leitung des Kammerorchesters. Der versierte Geiger machte mit Werken vertraut, „die durchaus ... auch zum Repertoire der renommierten Profiorchester gehören.“ [Die Rheinpfalz].

Ein Blick in die Programme macht die große Bandbreite der gestalterischen Möglichkeiten des Liebhaberorchesters offenbar: So brachte es auch vor den Ruinen der Fasanerie Sinfonien von J. Chr. Bach, Ernst Eichner und ein Hornkonzert von W. A. Mozart zu Gehör. Zu vielen Konzerten konnten namhafte Instrumentalsolisten gewonnen werden, etwa Ulrich Voss (Cello), Traugott Gärtner (Horn), Helmut Erb (Trompete) und die Klarinettistin Irith Gabrieliy (Darmstadt). Gefeierte Stars waren auch die Sopranistin Prof. Charlotte Lehmann sowie die Pianistin Annette Volkamer und die Professoren Peter Schmalfuss (Darmstadt) und Klaus Börner (Düsseldorf).

 

Bei den Aufnahmen zu einer Langspielplatte in der Ära Friedmann Köhler im Jahre 1984 wirkten mit:

1. Violine: Dieter Conzelmann, Bernd Wilms, Hans Wolfsberger, Helmut Wallach, Gisela Adamzyk, Stephanie Reichhard, Christine Metzler

2. Violine: Markus Wollsiffer, Kurt Blug, Martin Ruppert, Franz-Josef Staab, Matthias Helms, Christof Stepp

Viola: August Sandig, Manfred Wappler, Christof Loch, Susanne Burkhardt

Violoncello: Joachim Köhler, Erika Loch, Annette Ruppert-Schmitt

Kontrabass: Alexander Günter

Flöte: Dr. Iris Heun, Nicole Weinkauf, Hans Peter Weigold

Cembalo: Anita Bischoff;

Leitung: Friedemann Köhler.

 

 

Dr. Bernd Wilms
Dr. Bernd Wilms

Nach 26jährigem Dirigat übergab im Jahr 1989 Professor Köhler den Dirigentenstab an seinen ehemaligen Schüler Dr. Bernd Wilms. Geboren 1957 in Zweibrücken, spielte Bernd Wilms seit seiner Jugend Geige und Klavier. Nach dem Abitur studierte er an der Universität des Saarlandes Schulmusik, Musikwissenschaft und Germanistik. Seit 1985 unterrichtet er an einem Zweibrücker Gymnasium. Im Herbst 1990 bestritt er in seiner neuen Rolle als Leiter des Kammerorchesters sein erstes Konzert mit Musik von Ludwig van Beethoven: Die Prometheus–Ouvertüre, die erste Sinfonie und das erste Klavierkonzert. Schon hier zeigte sich das Leitbild des gemeinsamen Spiels: Nicht der Notentext, sondern der „Geist der Musik“ wurde fortan gesucht. Allen von Bernd Wilms verantworteten Programmen lag die Absicht zugrunde, Musik nicht als angenehme Nebensache, sondern als Kunst zu begreifen, in der sich menschliches Leben spiegelt. Natürlich pflegte auch er die Musik des Zweibrücker Hofs. Er machte aber auch mit eigenen Kompositionen auf sich aufmerksam. Wie beim o. g. Beethoven-Konzert wurde zur Regel, die Programme auf ein übergreifendes Thema hin auszurichten. Nach diesem Konzept wurden neben Ausflügen in die Moderne auch die meisten der folgenden Konzerte durchgeführt, etwa am Weltkindertag 1993 Camille Saint Saëns‘ „Karneval der Tiere“. Im Jahre 1995 verabschiedete sich das Kammerorchester mit einem Konzert, das unter dem musikalischen Stern Italiens stand, von Bernd Wilms als Dirigent – seine Familie wollte ihn zurückhaben.

 

 

Fritz Sander, Bezirkskantor a.D. †2011
Fritz Sander, Bezirkskantor a.D. †2011

Als ihm 1995 die Leitung des Kammerorchesters angetragen wurde, eilte dem emeritierten Bezirkskantor Fritz Sander der Ruf eines ausgezeichneten Chorerziehers und „musikalischen Urgesteins“ voraus, und schnell ließen die arbeitsintensiven Proben durchscheinen, dass er auch den Orchestermusikern ein geschickter, beliebter und sehr geduldiger Mentor war. Musikalischer Ausdruck, Farbe, Dynamik und Kantabilität profitierten von seinem – auch humorvollen – Probenstil und der guten Atmosphäre, die er anstrebte. Und was auf diese Weise musikalisch erreicht wurde, ließ schon im ersten Konzert aufhorchen. Sanders Ehrgeiz war es nicht nur, die Form des Kammerorchesters zu steigern, sondern auch seinem Publikum Werke weniger bekannter Meister der Tonkunst nahezubringen. Auf den Programmen fanden sich jetzt auch Kompositionen von Robert Volkmann, Johann Helmich Roman, David Heinichen, Johann Ludwig Krebs, John Stanley u. a. – Werke, die auch Anerkennung und Beachtung verdienen, wie man der Reaktion der Zuhörer und dem stets positiven Presseecho entnehmen konnte.

Aus gesundheitlichen Gründen gab er im Jahre 2008 den Dirigentenstab weiter an Walther Theisohn, den Leiter der örtlichen Musikschule, der das Orchester kommissarisch leitete, bis Bernd Wilms die Leitung des Orchesters 2009 wieder übernahm. Das Orchester ist Walther Theisohn für seine Unterstützung in der damaligen Vakanzphase zu besonderem Dank verpflichtet.

 

 

Auch in der zweiten Phase unter Bernd Wilms war die Programmgestaltung teilweise durch "Mut zum Risiko" geprägt. Aber nur wer wagt, gewinnt. So gab es etwa stehende Ovationen für Mozarts Linzer Sinfonie und Beethovens Violinkonzert mit dem Solisten Antonio Pellegrini (Freiburg) beim Herbstkonzert 2011, fraglos ein Höhepunkt in der Reihe von Programmen der letzten Jahre (s. hierzu auch die Zusammenstellung an Konzertplaketen unter "Konzerte"). Ein weiterer Höhepunkt war das Herbstkonzert 2014; in einem beeindruckenden Vortrag interpretierte die Geigerin Johanna Ruppert Mozarts Violinkonzert A-Dur KV 219 (s. hierzu die Konzertkritik unter "Pressespiegel").

2017 schaffte das Orchester ein eigenes Cembalo an, was Bernd Wilms dazu inspirierte, eigens ein Concertino für Cembalo zu komponieren (s. auch hierzu das Plakat und die Konzertkritik).

Darüberhinaus war das Orchester auch in einigen Benefizkonzerten zu hören.

 

Die scheinbar nicht endende Reihe musikalischer Ereignisse hätte in ihrer Vielfalt so wohl nicht erklingen können ohne den langjährigen, großherzigen Förderer und Vorsitzenden der Flugsportgruppe Westpfalz-Saar, Herrn Apotheker Alfred Welter (†2017).

Kurt Blug

 

 

Zum großen Bedauern des Orchesters entschied sich Bernd Wilms, die Orchesterleitung im Sommer 2018 abzugeben, um mehr Zeit für andere Aktivitäten zur Verfügung zu haben. Er hat sich aber bereiterklärt, dem Orchester weiterhin als aktiver Spieler zur Verfügung zu stehen, wofür ihm das Orchester sehr dankbar ist.

Walther Theisohn
Walther Theisohn

Neuer Dirigent ist ab August 2018 Walther Theisohn, den das Orchster von früheren Dirigaten her bereits gut kannte und schätzen gelernt hat. Außerdem verstärkte er als brillianter Oboist regelmäßig das Orchester und setzte den Darbietungen besondere Glanzlichter auf. Das Orchester freut sich sehr auf die gemeinsame Zusammenarbeit.

Walther Theisohn studierte, nach einer Ausbildung im Bäcker- und Konditorenhandwerk, an der Hochschule für Musik und Theater Saar in Saarbrücken Oboe (Orchestermusik) bei Prof. Armin Aussem, bei Jürgen Schmidt (Englischhorn) und bei Prof. Eduard Brunner (Kammermusik).

Während seiner Studienzeit war er Mitglied des Landesjugendorchesters Saar und des Saar-Lor-Lux-Hochschulorchesters. Des weiteren spielte er projektbezogen in verschiedenen Orchestern (RSO Saarbrücken, Pfalztheater Kaiserslautern, Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Philharmonie der Nationen/Justus Frantz, Philharmonie de Lorraine/Raphael Frühbeck de Burgos). Er ist Mitglied im Orchestre Symphonique SaarLorraine.

 

Kammermusikalisch wirkte er über zehn Jahre im "Bläserquintett sans Frontières", aktuell im Barock-Quartett "Les Plaisirs du Duc Christian" und als Duo-Partner von Ender Vielma (Gitarre) im Duo "Les Amis de Monsieur Napoléon Coste".

 

Walther Theisohn hatte einen Lehrauftrag für Oboe/Englischhorn an der Universität Landau inne. Seit 1993 unterrichtet er an der Herzog-Christian-Musikschule in Zweibrücken, die er seit 2002 auch leitet. Zudem ist er 1. Vorsitzender der Mozartgesellschaft Zweibrücken-Bitche-Pirmasens.

"Les Amis de Monsieur Napoléon Coste": Walther Theisohn, Oboe, und Ender Vielma, Gitarre.